Wissenschaftlich erwiesen

Florian Fisch

Gütesiegel oder Etikettenschwindel?

Florian Fisch widmet sich unterhaltsam und fundiert dem „wissenschaftlichen Konsens“ und nimmt ihn kritisch unter die Lupe

Wenn in einer Diskussion behauptet wird, diese These sei „wissenschaftlich fundiert“, dann setzt das die Gegenredner meist schachmatt. Doch was genau heißt das eigentlich? Wissenschaftsjournalist Florian Fisch nimmt die gängige wissenschaftliche Praxis des „wissenschaftlichen Konsens“ unter die Lupe und zeigt exemplarisch in„Wissenschaftlich erwiesen“, wie dieser Konsens gebraucht, aber eben auch missbraucht wird. Das unterhaltsame, informative Sachbuch erscheint bei Wiley-VCH.

Florian Fisch kennt die Wissenschaftsszene sehr genau, schließlich befasst sich der Journalist täglich damit und schreibt für renommierte Zeitungen und Zeitschriften. Wie das „funktioniert“ mit dem „wissenschaftlichen Konsens“, das zeigt er uns in „Wissenschaftlich erwiesen“ überzeugend. Denn ob es eine Klimaerwärmung gibt und wo die Ursachen dafür liegen, das fällt z. B. unter den Konsens. Ebenso die „Tatsache“ der Evolution, oder, etwas konkreter und alltagsnah: ob der maßvolle Konsum von Rotwein gesund oder ungesund ist – für jede dieser Thesen gibt es wissenschaftlich fundierte Belege. Was also ist dieses Etikett „wissenschaftlich fundiert“ überhaupt wert?

Ja, dieser Konsens ist Voraussetzung für weitere Forschungen, den wissenschaftlichen Fortschritt. Aber gleichwohl gibt es eben auch noch andere Meinungen – ebenfalls wissenschaftlich fundiert. Und: Wo bleibt die gesunde und notwendige wissenschaftliche Skepsis bei dieser Konsenskultur? All das beleuchtet Florian Fisch hier exemplarisch, geht dabei auch auf den Missbrauch dieses „wissenschaftlichen Konsens“ ein und geht auch mit seinem Berufsstand ins Gericht. Denn auch die Wissenschaftsjournalisten tragen ihren Teil bei z. B. der Verbreitung von Fehl- oder Falschmeldungen bei. Das spannende und unterhaltsame Sachbuch wendet sich eigentlich an alle – ob Laien, Journalisten und natürlich Wissenschaftler. Denn die Wissenschaft geht uns alle an.

Florian Fisch
Wissenschaftlich erwiesen
Gütesiegel oder Etikettenschwindel?

2016. 254 Seiten, 50 Abb., Hardcover.
€ 24,90
ISBN: 978-3-527-33893-1 (WILEY-VCH, Weinheim)

in Kürze…

1 – Die Wahrheit gefällig?
Während die einen darüber debattieren, ob es überhaupt so etwas wie eine Wahrheit gibt, beginnen andere wegen jeder kleinen Studie eine neue Diät. Das Halbwissen über den Gesundheitswert von Rotwein offenbart die menschlichen Schwächen bei Experten und Laien gleichermaßen.

2 – Gefährliche Zweifler
Der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki glaubte nicht, dass AIDS durch HIV ausgelöst wird. Er stoppte die staatliche Abgabe von Medikamenten an Schwangere Frauen und nahm damit die Neuansteckung 30.000 Neugeborener in Kauf.

3 – Erzwungene Einigkeit
In Stalins Sowjetunion galt die Genetik als bürgerliche Abart der Wissenschaft und wurde verboten. Abweichende Wissenschaftler wurden verfolgt, die Sowjetunion musste Nahrungsmittel importieren und legte damit die Basis für ihren eigenen Untergang.

4 – INTERVIEW mit Karin Knorr-Cetina
„Wahrscheinlichkeiten sollten uns zum Handeln bewegen“
Naturwissenschaften sind wichtig und sollten in Schule und Medien ein höheres Gewicht erhalten, sagt die Wissenschaftssoziologin Karin Knorr-Cetina. Dabei darf nicht vergessen werden, wie alltäglich Fehler in der Naturwissenschaft sind und dass kein Resultat absolut sicher ist.

5 – Versteckter Glaube
Mit der Evolutionstheorie wurde vor über 150 Jahren der Grundstein für die moderne Biologie gelegt. Trotzdem glauben viele Menschen weiterhin an den Mythos der Erschaffung des Menschen in sechs Tagen. Unser Weltbild steht der freien Sicht auf die Fakten oft im Wege.

6 – Vom Reiz des Abweichens
Impfprogramme sind seit ihrer Erfindung umstritten. Trotz erdrückender Belege ihres Nutzens, finden und fanden sich immer wieder lautstarke Gegner: alternative Mediziner und die Gegner staatlicher Vorschriften.

7 – Wissenschaftliche Ameisen
Das Leben von Patienten hängt am guten Informationsstand der Ärzte. Die Wissenschaftler der Cochrane Collaboration arbeiten hart, um das vorhandene Wissen zusammenzutragen und neu zu beurteilen. Dabei stoßen sie oft auf Widerstand.

8 – INTERVIEW mit Gerd Antes
„Jeder duckt sich weg und zeigt auf den Nachbarn“
Die Wirksamkeit vieler medizinischer Interventionen ist nach wie vor nicht belegt, sagt der Methodenwissenschaftler Gerd Antes. Er und seine Mitstreiter der Cochrane Collaboration versuchen aus der Schwemme von Studien robuste Aussagen herauszufiltern.

9 – Aufklärer in Nöten
Journalisten sind Experten der ausgewogenen Berichterstattung. Wenn sie über Wissenschaft berichten, kommt ihnen genau diese Tugend oft in die Quere. Der wissenschaftliche Konsens entsteht nicht per Handheben.

10 – Globale Knacknuss
Die Verbrennung von Kohle, Öl und Erdgas heizt das Klima auf. Obwohl dies seit über 100 Jahren bekannt ist, wollen es viele bis heute nicht so recht glauben. Schuld an den auseinanderklaffenden Realitäten sind die Industrie, die Politik und die Bürger – auf der ganzen Welt.

11 – INTERVIEW mit Stephan Lewandowsky
„Die Klimaleugner haben natürlich die bessere Nachricht
Verschwörungstheorien und das Leugnen wissenschaftlicher Tatsachen sind nah miteinander verwandt, sagt der experimentelle Psychologe Stephan Lewandowsky. Vor rund zehn Jahren erweiterte der Australier seine Forschung auf den Umgang mit Fehlinformationen zum Klimawandel und zu Impfungen.

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Florian Fisch

Florian Fisch arbeitet als freischaffender Wissenschaftsjournalist in Bern. Er studierte Biologie an den Universitäten Lausanne und Neuchâtel, forschte am Botanischen Institut in Basel und promovierte in York in Biochemie. In Zeitungen und Zeitschriften wie der „NZZ am Sonntag“ und dem „Laborjournal“ berichtet Florian Fisch von genialen Entdeckungen in den Wissenschaften des Lebens und er hinterfragt die menschlichen Vorgänge in den Tiefen des Labors. Um Wissenschaft und Gesellschaft einander näherzubringen, schreibt er für den Blog des Kongresses für Wissenschaftskommunikation ScienceComm und zu Wissenschaft und Medien auf www.sciencesofa.info.

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