Chemiker im „Dritten Reich“

Helmut Maier

Die Rollen der Deutschen Chemischen Gesellschaft und des Vereins Deutscher Chemiker im NS-Herrschaftsapparat

Die Geschichte der chemischen Industrie im Dritten Reich wurde umfassend dokumentiert, doch eine Untersuchung der wissenschaftlichen Organisationen der Chemiker fehlte bisher. Nun legt der versierte Wissenschaftshistoriker und Autor mehrerer wissenschaftsgeschichtlicher Werke, Professor Helmut Maier, dieses Buch vor. Er deckt mit „Chemiker im ‚Dritten Reich‘ “ den gesamten Zeitraum von 1933 bis 1945 ab und erschließt in seiner Arbeit auch erstmals bislang unzugängliche Dokumente. Die umfassende Studie wurde von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in Auftrag gegeben und erscheint bei Wiley-VCH.

Das Buch – es spricht sowohl Chemiker als auch Historiker und natürlich alle geschichtlich Interessierten an – beleuchtet die Geschichte der beiden Vorläuferorganisationen der GDCh und liefert eine fundierte Auseinandersetzung mit den Verstrickungen Einzelner und der chemischen Gesellschaften als solche in das NS-Unrechtsregime.

Es ist ein Irrtum zu glauben, dass man historische Ereignisse – und ganz besonders negative Ereignisse – auf irgendeinem Wege wieder „gut machen“ oder gar „bewältigen“ kann. Aber man kann und muss sich ihrer möglichst detailliert erinnern. Diesem Zweck dient das vorliegende Werk.

Aus dem Vorwort von Henning Hopf und Petra Mischnick

Es brauchte ein Umdenken, bis die offene Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus und der Rolle der chemiewissenschaftlichen Vereine möglich wurde. Lange noch nach Kriegsende sah man sich in der Tradition der Vorgängerorganisationen – und auch die Verurteilungen im „IG-Prozess“ in Nürnberg 1948, so Helmut Maier, sorgten eher für einen „Abwehrreflex“: „Man setzte sich nicht mit dem Menschheitsverbrechen auseinander, sondern bestritt vehement die Mitverantwortung, die ‚Siegerjustiz‘ den IG-Direktoren nachgewiesen hatte.“ Ein weiterer Punkt, der einer Aufarbeitung mit der Vergangenheit eher entgegenstand: Die technisch-wissenschaftlichen Organisationen verstanden sich traditionell als unpolitisch und der „objektiven Sachlichkeit“ verpflichtet. Aber ab der Vereidigung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 kamen die wissenschaftlichen Organisationen in Zugzwang, auch politisch Stellung zu beziehen.

Diese Geschichte arbeitet nun Helmut Maier in „Chemiker im ‚Dritten Reich‘ “ umfassend auf. Beginnend mit der Gründerzeit der Chemie (1850-1900), untersucht er auf gut 740 Seiten detailliert u. a. die Weimarer Krisenjahre, die „Gleichschaltung“, die „Arisierung“ und die Machtkämpfe in den Organisationen der chemischen Wissenschaft, die internationalen Beziehungen in der Zeit des Nationalsozialismus, die Schicksale von jüdischen Mitgliedern, die Kriegsarbeit der Reichsfachgruppe Chemie im NSBDT und die Gemeinschaftsarbeit für den NS-Vernichtungsapparat. Ein wichtiges Buch, das eine Lücke schließt.

Helmut Maier
Chemiker im „Dritten Reich“
Die Deutsche Chemische Gesellschaft und der Verein Deutscher Chemiker im NS-Herrschaftsapparat

2015. 742 Seiten, 51 Abbildungen, 117 Tabellen. Gebunden.
€ 99,-
ISBN: 978-3-527-33846-7 (Wiley-VCH, Weinheim)

„Ein anspruchsvolles Buch und sehr interessant für alle Naturwissenschaftler, insbesondere aber für Chemiker.“
FSR Chemie Universität Leipzig (01.03.2016)

„Diese Untersuchung einer – im historischen Rahmen gesehen – Petitesse, nämlich der Eingliederung von zwei Chemikerverbänden in ein totalitäres System, ist doppelt wertvoll: Sie analysiert das System und die Menschen, die darin eingebunden sind. Ein großartiges Buch.“
Gefahrstoffe. Reinhaltung der Luft (November/Dezember 2015)

„Das Buch ist eine umfassende und unabhängige Studie über Funktionen und Strukturen der DChG des VDCh von 1933 bis 1945. Es liefert eine fundierte Auseinandersetzung mit den Verstrickungen Einzelner und der chemischen Gesellschaften als solche in das NS-Unrechtsregime.“
Allgemeines Ministerialblatt (30.09.2015)

„Das Buch Chemiker im Dritten Reich ist für die Gesellschaft Deutscher Chemiker eine absolute Notwendigkeit. (?) Dass Helmut Maier diese wichtige Arbeit mit Akribie und wissenschaftlicher Präzision geleistet hat, nimmt 70 Jahre nach Kriegsende den Schatten der Unwissenheit von dieser schlimmen Periode der deutschen Chemie. (?) Insgesamt sollte das Werk von Helmut Maier jedem Chemiker und jedem wissenschaftshistorisch Interessierten zugänglich sein, es gehört in jede chemische Bibliothek.“
Chemkon (2015/22/Nr.4.)

„Diese umfassende Studie wurde von der GDCh in Auftrag gegeben und beleuchtet die Geschichte der beiden Vorläuferorganisationen der Gesellschaft. Entstanden ist eine fundierte Auseinandersetzung mit den Verstrickungen Einzelner und der chemischen Gesellschaften als solche in das NS-Unrechtsregime, die nicht nur für Chemiker, sondern auch für alle geschichtlich Interessierten von Interesse sein dürfte.“
JuraForum.de (25.08.2015)

„Das Buch spricht sowohl Chemiker als auch Historiker und natürlich alle geschichtlich Interessierten an – liefert eine fundierte Auseinandersetzung mit den Verstrickungen Einzelner und der chemischen Gesellschaften als solche in das NS-Unrechtsregime.“
LVT (Geschichte der chemischen Industrie) (01.06.2015)

„Das Werk von Helmut Maier trägt zur Aufarbeitung des dunkelsten Kapitels der deutschen Chemiegeschichte bei; es entreißt diese Jahre dem Vergessen.“
JuraForum.de (31.03.2015)

„Der Autor deckt mit Chemiker im Dritten Reich den Zeitraum von 1933 bis 1945 ab und erschließt in
seiner Arbeit auch bisher unzugängliche Dokumente.“
Mannheimer MORGEN (18.04.2015)

Kundenrezension: „Ein anspruchsvolles Buch und sehr interessant für Naturwissenschaftler.“
Amazon.de (23.04.2015)

„Ein wichtiges Buch, das eine Lücke schließt.“
CHEManager (29.04.2015)

„Das Buch beleuchtet die Geschichte der beiden Vorläuferorganisationen der GDCh und liefert eine fundierte Auseinandersetzung mit den Verstrickungen Einzelner und der chemischen Gesellschaften als solche in das NS-Unrechtsregime.“
Galvanotechnik (01.05.2015)

1 Einleitung
1.1 Gründerzeiten der Chemie (1850″1900)
1.2 Die Chemiker des Kaisers (1900″1919)
1.3 Weimarer Krisenjahre (1919″1933)
2 „Gleichschaltung“ “ „ohne zwangsweise Eingriffe“ (1933″1934)
2.1 Machtkämpfe: Robert Ley, Gottfried Feder und die NS-Aktivisten
2.2 Selbstgleichschaltung und Beitritte des VDCh zu NS-Organisationen
2.3 „Gleichschaltung“ und „Arisierung“ der DChG (1933″1934)
2.4 Reichs-Chemiker-Kammer, „Bilderstürmer“ und „Burgfrieden“
3 Die Disziplinierung standespolitischen Eigensinns (1934″1937)
3.1 Berufsständische Stellen (VDCh) und die „stillschweigende Arisierung“
3.2 Die Haber-Gedächtnisfeier (1935): „Was würde der Führer […] tun““
3.3 „Es fehlt noch das NS“: VDCh und DChG als Hauptvereine des BDCh
3.4 „Wir sind jetzt ein NS-Bund“ “ die Chemikervereine im NSBDT
4 Die Fachgruppe Chemie im NSBDT (ab 1937)
4.1 Freiwillige Eingliederung, Generationswechsel und die Plassenburg
4.2 Unvollendete Satzungsänderungen: Komplikationen der „Arisierung“
4.3 Generationswechsel (DChG) und der Kampf mit der Wirtschaftsgruppe
4.4 „Evviva il Duce!“ “ Internationale Beziehungen bis 1939
5 Fachgruppenarbeit und Mitgliederentwicklung
5.1 Gas- und Luftschutz und das Archiv der Gaskampfstoffe
5.2 Wirtschaftschemie, Vierjahresplan, Kunststoffe
5.3 „Nordrassische“ Wissenschaft“ „Deutsche Chemie“ und Chemiegeschichte
5.4 „Unbekannt verzogen“ (1938/39) “ Mitglieder, Emigranten, Vergessene
6 Die Kriegsarbeit der Reichsfachgruppe Chemie im NSBDT
6.1 Kriegstagungen, Reichsredner und Gauhäuser der Technik
6.2 Uk-Stellungen: „W-Betrieb mit Betreuung Heer“ (DChG)
6.3 Reichsstellennachweis, Militärchemiker und territoriale Expanison
6.4 Hierarchie und Standesdünkel: Die Chemotechniker-Kontroverse
7 Gemeinschaftsarbeit für den NS-Vernichtungsapparat
7.1 Zentralisierung der Gemeinschaftsarbeit in Frankfurt (VDCh)
7.2 Verein Europäischer Chemiker“ Internationale Beziehungen im Krieg
7.3 Mobilisierung der Forschung, Raubaktionen und KZ-Häftlinge
7.4 Schicksale: Gefallene, Inhaftierte, Deportierte, Suizide
7.5 Verlagerung und Untergang: Grünberg, Rüdersdorf und die Archivfilme
8 Zusammenfassung
9 Anhang
9.1 Verzeichnis der Tabellen
9.2 Verzeichnis der Abbildungen
9.3 Verzeichnis der Abkürzungen
9.4 Archive
9.5 Ausgewertete Zeitschriften
9.6 Literatur und publizierte Quellen
9.7 Präsident/innen/en (DChG/ GDCh) und Vorsitzende (VDCh)
9.8 Danksagung

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Helmut Maier

Helmut Maier studierte Elektrotechnik und Neuere und Naturwissenschaftsgeschichte in Braunschweig. Seine Doktorarbeit wurde mit dem Rudolf-Kellermann-Preis für Technikgeschichte ausgezeichnet. Nach einem Jahr als Post-doc in den USA wirkte er am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Technikgeschichte der Ruhr-Universität Bochum. 2005 habilitierte er sich an der BTU Cottbus für Technik-, Wissenschafts- und Umweltgeschichte. Seit 2007 hat er den Lehrstuhl für Technik- und Umweltgeschichte in Bochum inne. Sein Forschungs- und Publikationsschwerpunkt liegt im Bereich der Rüstungsforschung während des Nationalsozialismus. Bekannt wurde Helmut Maier durch seine Mitarbeit am Forschungsprogramm der Max Planck Gesellschaft (MPG) zur ?Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus?, wo er für diesen Bereich verantwortlich zeichnete.

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